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    Wie funktionieren Glasreiniger – Streifenfrei mit Alkohol und Ammoniak?

    Chemie im Haushalt, Chemie und Umwelt
    Glasreiniger - Streifenfrei auch ohne Ammoniak

    Die spannenden Antworten, die ich einer Leserin zur Wirkweise von WC-Reinigern gab, haben eine weitere Verfolgerin dazu bewegt, auch gleich nach der Funktion eines anderen Putzmittels zu fragen: Wie funktioniert ein Glasreiniger?

    Wenn wir sauber machen, benutzen wird fast überall Seifen – denn die Superwaschkraft der Tenside darin ist einfach unschlagbar. Beinahe jedenfalls. Doch wer schon einmal Fenster geputzt hat, kennt ein leidiges Phänomen: Streifen an den Scheiben. Die entstehen entweder aus nicht gänzlich entferntem Schmutz – oder sind ein Souvenir, das die oberflächenliebenden Tenside uns hinterlassen.

    Deshalb scheinen Glasreiniger anders zu funktionieren als gewöhnliche Seife, die man nach der Verwendung gründlich abwaschen muss: Einmal rasch aufgesprüht lösen sie den Schmutz ratzfatz, und nach dem Abwischen verschwinden die verbleibenden Streifen innerhalb von Sekunden. Was aber macht Glasreiniger so besonders?

     

    Was im Glasreiniger drin ist

    Wer Glas streifenfrei reinigen möchte, braucht eine Substanz, die sowohl ein Talent zum Schmutzlösen hat, als auch leicht und rückstandslos entfernbar ist. Deshalb enthalten Glasreiniger in der Regel

    • Organische Lösungsmittel: Ethanol oder/und andere Alkohole mit ähnlichen Eigenschaften. Organische Lösungsmittel können, was ihr Name verspricht: In ihnen lösen sich viele Stoffe leicht auf, die sich in Wasser weniger leicht lösen. Alkohole aus kleinen Molekülen lassen sich trotzdem leicht mit Wasser mischen, sodass man gemeinsam mit Wasser verwenden kann. Dabei setzen Alkohole die Oberflächenspannung von Wasser herab, sodass nicht nur sie selbst, sondern auch das Wasser schnell verdunsten kann: Flüssigkeitsreste verschwinden schnell vom Glas.
    • Wenig oder gar keine Seife: Die würde ja Streifen hinterlassen. Deshalb wird in Glasreinigern weitgehend darauf verzichtet.
    • Duftstoffe
    • Konservierungsmittel
    • Farbstoffe
    • Manche Glasreiniger enthalten zudem Ammoniak, dem eine zusätzliche Reinigungskraft zugeschrieben wird.

     

    Alkohole sind umweltfreundlicher als Seifen

    Organische Lösungsmittel haben vielerorts ein anrüchiges Image – aber keine Panik: Diese Stoffe sind nicht immer so schlimm, wie ihnen nachgesagt wird. Das gilt ganz besonders für Ethanol – den uns wohlbekannten Trink-Alkohol – und seine Verwandten. Die sind nämlich viel umweltverträglicher als viele Tenside in Seifen!

    Als natürlicher Bestandteil vieler lebender Systeme (viele Kleinlebewesen stellen im Zuge der alkoholischen Gärung Ethanol selbst her und noch mehr – uns Menschen eingeschlossen – können ihn verstoffwechseln) ist Ethanol, anders als viele Tenside, leicht biologisch abbaubar.

    In hoher Konzentration verursacht Ethanol allerdings nicht nur uns einen Kater oder schlimmeres, sondern ist auch für viele Kleinstlebewesen tödlich – was ihn zu einem beliebten Desinfektionsmittel macht. So sollten Glasreiniger auf Ethanol-Basis ohne weitere Konservierungsmittel auskommen können.

    Denn die Duftstoffe und Konservierungsmittel in vielen Glasreinigern sind die gleichen zweischneidigen Schwerter wie in anderen Reinigungsmitteln, sodass mit solchen Zusätzen auch ein Glasreiniger nicht pauschal als „vollkommen harmlos“ angesehen werden kann.

     

    Warum Duftstoffe bedenklich sind

    Duftstoffe leisten keinen direkten Beitrag zur Funktion des Reinigungsmittels: Sie reinigen nicht. Stattdessen sollen sie dem Produkt einen angenehmen Duft verleihen, welcher dem Konsumenten vermitteln soll, dass die Anwendung ungefährlich, angenehm, mit Sauberkeit und „Frische“ und damit mit Gesundheit verbunden ist. Im „schlimmsten“ Fall werden dabei sogar unangenehme Gerüche überdeckt, die andernfalls dem Körper als (lebens-)wichtige Warnung dienen: Ich stinke, also bin ich ungesund.

    In Reinigungs- und anderen Produkten ist eine Vielzahl verschiedener Duftstoffe im Einsatz, die – praktisch alle körperfremd – auch gleich eine Vielzahl möglicher Allergieauslöser darstellen. Und das gilt für „naturnahe“ bzw. natürliche ätherische Öle ebenso wie für Molekül-Kreationen aus dem Labor, wie ich hier näher erläutert habe.

    Ebenso besonderes Augenmerk verdienen Konservierungsmittel: Die können nicht nur ebenso Allergien auslösen wie Duftstoffe. Sie sind überdies dem Leben nicht zuträglich – zwangsweise, denn sie sollen ja verschiedenste Kleinstlebewesen daran hindern, in unseren angebrochenen Putzmittel-Flaschen zu hausen und zu gedeihen. Das Problem dabei ist, dass viele solcher „Biozide“ – lebensvernichtende Stoffe – auch für menschliche Zellen giftig sind.

    Wenn wir Reinigungsmittel in normalem Umfang dafür benutzen, wozu sie gedacht sind, werden wir kaum eine gefährliche Dosis solcher Konservierungsmittel abbekommen. Die Dämpfe solcher Produkte einzuatmen empfiehlt sich trotzdem nicht. Denn was für die Vernichtung unliebsamer Kleinstlebewesen geschaffen ist, wird auch vor den unverzichtbaren Bewohnern unserer Haut und Schleimhäute nicht Halt machen. Wer viel putzen muss, ist deshalb nicht nur möglicher Allergien wegen mit Handschuhen gut bedient.

     

    Ammoniak – Warum dieser Inhaltsstoff die Geister scheidet

    Manche Glasreiniger enthalten neben Alkoholen oder anderen Reinigungskünstlern Ammoniak (der gern auch als „Salmiak“ umschrieben wird). Ammoniak, NH3, ist ein Gas, das sich sehr gut in Wasser löst. Die wässrige Lösung, heute Ammoniak-Wasser genannt, war vor allem früher als Salmiakgeist bekannt.

    Ammoniak ist eine Base: Beim Lösen in Wasser kann ein Ammoniak-Molekül ein H+-Ion von einem Wassermolekül aufnehmen („aq“ im Index deutet an, dass das betreffende Teilchen in Wasser gelöst ist):

    Unter den alten Sammelbegriff „Salmiak“ fallen deshalb auch die Salze des Ammonium-Ions NH4+, wie sie zum Beispiel in Salmiakpastillen vorkommen! Anders als Ammoniak sind Ammoniumsalze, wenn man sie in Wasser löst, jedoch sehr schwache Säuren (das Ammonium-Ion muss schliesslich ein H+-Ion abgeben, damit daraus Ammoniak entstehen kann) – haben also ganz andere Eigenschaften!

    In einer Ammoniak-Lösung liegen stets Ammoniak-Moleküle und Ammonium-Ionen zugleich vor: Ammoniak ist eine relativ schwache Base. Das bedeutet aber auch, dass sich stets gelöste Ammoniak-Moleküle im Gleichgewicht mit gasförmigem Ammoniak befinden.

    Diese Moleküle können wir riechen, sodass eine Ammoniak-Lösung durch ihren mehr oder weniger stechenden Geruch auffällt.

    Eine Base als Reinigungsmittel

    Die Basizität ist wohl auch der Grund für die „reinigungsverstärkende“ Wirkung des Ammoniaks. Denn die Gegenwart von Basen, genauer gesagt OH–-Ionen, führt dazu, dass verschiedene grössere Biomoleküle leicht in kleinere, einfach abwaschbare Bruchstücke zerfallen. Fette beispielsweise sind mittelgrosse, wasserunlösliche Moleküle, die zu den Estern gehören und deshalb in Gegenwart von Basen gespalten werden. Die Bruchstücke – Glycerin und Fettsäuren – lassen sich leicht mit Wasser oder Ethanol aufnehmen. Auch Eiweisse, d.h. Proteine, werden in Gegenwart von Basen leicht hydrolysiert, also in Bruchstücke bis hin zu ihren Aminosäuren zerlegt.

    Das Problem: Ammoniak ist giftig

    • Wie alle stärkeren Säuren und Basen wirkt Ammoniak ätzend – auch auf unsere Schleimhäute – und kann, wenn es eingeatmet wird, im schlimmsten Fall ein Lungenödem verursachen.
    • Ammoniak ist ausserdem ein Nervengift, das je nach Konzentration zu neurologischen Ausfällen, Koma und Tod führen kann.
    • Da es sich um ein Gas handelt, das aus der wässrigen Lösung leicht flüchtig ist und sich im Wasser auf unseren Schleimhäuten erneut lösen kann, ist Ammoniak schwer unter Kontrolle zu halten.
    • Ammoniak ist sehr giftig für Wasserorganismen: In natürlichen Gewässern sind praktisch immer Ammoniumionen zugegen (denn die Lebewesen darin scheiden sie als Stoffwechselabfall aus). Wenn eine Base wie Ammoniak-Lösung da hinein gerät, wird der pH-Wert angehoben (d.h. es gibt vermehrt OH– -Ionen und damit wenig H+-Ionen im Wasser). Gemäss Le Chateliers Prinzip des kleinsten Zwangs wird dadurch das Gleichgewicht zwischen Ammonium-Ionen und Ammoniak, das natürlicherweise weit auf der Seite von NH4+ liegt, auf die Seite von NH3 – Ammoniak – geschoben:
    • Und Ammoniak ist auch für viele Wasserlebewesen bis hin zu Fischen giftig – ganz davon abgesehen, dass sich die meisten Lebewesen bei einem erhöhten pH-Wert ohnehin nicht wohlfühlen werden.

    Es gibt also genug Gründe, um auf Ammoniak in Reinigungsmitteln zu verzichten.

     

    Wie du dem Ammoniak aus dem Weg gehen kannst

    Das ist eigentlich ganz leicht: Ammoniak hat einen extrem unangenehmen, stechenden Geruch – wenn du einem solchen begegnest, hör auf das Fluchtsignal deines Körpers und gehe auf Abstand.

    Ich habe mal vielleicht 100-200 Milliliter konzentrierte Ammoniak-Lösung in einem Labor-Abzug (einem per Schiebetür verschliessbaren Kleinraum mit eingebauter „Dunstabzugshaube“) verschüttet. Ich musste mich selbst bewusst am Weglaufen hindern und stattdessen den Abzug schliessen, um das Gas an der Ausbreitung zu hindern, bevor ich das Zeug ordnungsgemäss entsorgen konnte!)

    Das heisst: Wenn du zur Zeit einen Glasreiniger mit Ammoniak verwendest:

    • Atme den Sprühnebel bzw. die Dämpfe möglichst nicht ein (auch möglicher Duft- und Konservierungsstoffe wegen)-
    • Brauche den Glasreiniger auf. Das ist meiner Meinung nach sinnvoller als Wegwerfen – es sei denn, das Mittel bereitet dir schon gesundheitliche Probleme wie beispielsweise eine Allergie. Dann bringe die Reste zur Sondermüll-Entsorgung: Ammoniak darf nicht ins Abwasser gelangen!

    Wenn du einen neuen Glasreiniger kaufen möchtest:

    • Achte darauf, dass der neue keinen Ammoniak (Ammoniak-Wasser, Salmiak, Salmiakgeist,…) enthält.
    • Achte ebenso darauf, dass Stoffe, die dir bereits Allergien auslösen, nicht enthalten sind.
    • Am empfehlenswertesten ist ein Glasreiniger auf Alkohol-Basis (Spiritus-Reiniger).

    Glas reinigen mit Hausmitteln

    Statt einem Glasreiniger aus dem Supermarkt kannst du auch einfach Brennsprit (Spiritus) in eine Zerstäuberflasche füllen und zum Reinigen verwenden. Statt – wie oft genannt – Zeitungspapier solltest du dabei aber ein Mikrofasertuch zum Wischen verwenden. Das fusselt ebenso wenig und enthält keine Druckerschwärze, die abfärben könnte.

    Beim Umgang mit Brennsprit bzw. Spiritus und anderen organischen Lösungsmitteln gilt ausserdem: Kein offenes Feuer in ihre Nähe bringen! Diese Substanzen gehen sehr leicht in Flammen auf: Rauchen oder brennende Kerzen sind beim Fensterputz daher tabu!

    Ausserdem gilt auch hier: Dämpfe nicht einatmen – die können benommen oder zumindest Kopfschmerzen machen!

    Überdies sind dem Brennsprit aus dem Supermarkt Spuren sehr unangenehm riechender und schmeckender Substanzen wie Denatonium (dem bittersten bekannten Stoff der Welt) oder Butanon (Methylethylketon, MEK) beigemengt. Mit anderen Worten: Der Ethanol ist vergällt. Das lässt vermutlich die meisten Menschen nicht nur Abstand davon nehmen, den Sprit zu trinken um die Alkoholsteuer zu umgehen, sondern auch davon, daran zu schnüffeln. Ich zumindest empfinde den Geruch meines Brennsprits als viel unangenehmer als jenen des wirklich reinen Labor-Ethanols. Somit ergibt sich das „nicht einatmen“ mehr oder weniger von selbst.

     

    Wie ich meine Scheiben praktisch streifenfrei sauber bekomme

    Ich verwende, der vermutlich vorwiegend aus Alkoholen besteht und keinen Ammoniak enthält (Ausser den Duft- und Konservierungsstoffen sind die Inhaltsstoffe nicht auf der Flasche angegeben. Der pH-Wert ist allerdings laut pH-Streifen neutral (und nicht basisch wie in Gegenwart von Ammoniak) und die Farbstoffe aus dem pH-Streifen lösen sich schnell in der Flüssigkeit (viele wasserunlösliche Farbstoffe lösen sich leicht in organischen Lösungsmitteln). Da der Reiniger beim Aufsprühen leicht schäumt, könnte überdies ein kleiner Anteil Seife enthalten sein).

    • Stark verschmutzte Aussenscheiben besprühe ich mit etwas Glasreiniger und rubble sie gründlich mit einem triefnassen Schwamm ab.
    • Das Alkohol-Wasser-Gemisch ziehe ich dann gründlich mit einem Gummi-Abzieher ab. Ein betagtes, einfaches Markenprodukt leistet mir dabei bessere Dienste als sein No-Name-Gegenstück aus Studentenzeiten.
    • Ganz wichtig: Den Abzieher wische ich nach jedem Zug über die Scheibe kurz an einem Tuch ab, sodass kein Wasser/Reiniger mehr daran klebt, das/der tropfen könnte!
    • Falls doch noch Streifen bleiben, poliere ich mit einem trockenen Mikrofasertuch kurz nach.

    Und wie putzt ihr eure Fenster? Welche Glasreiniger verwendet ihr? Und wie wichtig ist euch die Zusatz-Reinigungskraft von Ammoniak?

    5. Februar 2018/6 Kommentare/von Kathi Keinstein
    Schlagworte: Alkohol, Ammoniak, Chemie, Ethanol, Glasreiniger, Haushalt, Putzmittel, Reinigungsmittel, Salmiak, Umwelt
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    https://www.keinsteins-kiste.ch/wp-content/uploads/2018/02/Blogbild-Glasreiniger.jpg 450 810 Kathi Keinstein https://www.keinsteins-kiste.ch/wp-content/uploads/2018/03/Logo_rund.png Kathi Keinstein2018-02-05 16:00:002019-09-26 14:56:25Wie funktionieren Glasreiniger – Streifenfrei mit Alkohol und Ammoniak?
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    6 Kommentare
    1. Ralf
      Ralf sagte:
      29. Mai 2020 um 19:32

      Vielen Dank für den sehr interessanten Betrag über Glasreiniger.
      Hab mir letzthin einen neuen Glasreiniger gekauft, und zwar den Kassensturz Testsieger ‚Potz Xpert Glass Power-Cleaner‘ aus der Migros.
      Der Reiniger ist wirklich unglaublich stark, ich nutze ihn inzwischen nicht nur für Glas sondern auch für andere Dinge, z.B. Schranktüren, Flecken auf dem Steinboden, usw. Draufsprühen, kurz einweichen lassen, wegwischen, fertig.
      Was mich sehr interessieren würde:
      Wieso ist dieser Reiniger so stark? Hat es da auch Ammoniak drin? Gibt es Dinge, die man damit nicht reinigen sollte, weil sie angegriffen werden?
      Auf der Flasche steht leider überhaupt nichts zu den Inhaltsstoffen, der PH Wert ist gemäss Indikatorpapier 12. Und nach meiner letzten Putzorgie hat der Fingerabdrucksensor meines Handys während ein paar Tagen meine Finger nicht mehr erkannt… Inzwischen ist aber wieder alles ok.
      Vielen Dank im voraus für eine Antwort.

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        2. Juni 2020 um 12:48

        Hallo Ralf,
        Ich selbst benutze auch einen Potz-Glasreiniger (der im Artikelbild „modeln“ durfte 😉 ) – allerdings die „normale“, mildere Ausführung (die mir allerdings auch sehr gute Dienste leistet) mit einem pH-Wert von 6-7 und definitiv ohne Ammoniak (den würde ich dank Laborerfahrung riechen und der pH-Wert läge nicht im schwach sauren bis neutralen Bereich). Beim Power-Cleaner weisen allerdings der basische pH-Wert und der Sicherheitshinweis betreffend Gefahr schwerer Augenreizung samt GHS-Symbol (laut Produktbeschreibung auf der Migros-Website) stark auf Ammoniak (oder allenfalls eine ähnliche „schwache“ Base) hin. Dass die Hautoberfläche an den Fingerkuppen davon angegriffen wird (und deshalb der Fingerabdrucksensor nicht mehr funktioniert, bis das Muster nachgewachsen ist), spricht ebenfalls für eine Base.

        Für den Umgang mit dem Power-Cleaner empfiehlt die Migros (bzw. die UNO als Herausgeberin des GHS-Systems zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen) neben Schutzhandschuhen auch Augenschutz (ideal: Schutzbrille!), da Basen nicht nur die Haut, sondern auch die Augen stark angreifen können!

        Mit meinem schwach sauren Glasreiniger putze ich übrigens ohne Handschuhe, denn die Haut ist naturgemäss resistenter gegen Säuren als gegen Basen. So kommt mein „milderer“ Glasreiniger auch ohne GHS-Gefahrensymbol aus.

        Was andere Oberflächen betrifft, empfehle ich vorsichtiges Ausprobieren. Es könnte immer mal etwas dabei sein, das empfindlich auf Basen oder andere Bestandteile reagiert. Gerade Kunststoffe (auch Lacke gehören dazu!) sind vielfältig und besonders farbige Materialien können sich bei Kontakt mit dem falschen Reinigungsmittel verändern.

        Antworten
    2. Ralf
      Ralf sagte:
      2. Juni 2020 um 13:17

      Hey, vielen Dank für die schnelle und kompetente Antwort 🙂
      Ich bin letzte Woche auf diese Website gestossen und bin jetzt die ganze Zeit ein wenig am Schmökern, es hat einige wirklich sehr interessante Artikel 😉

      Antworten
    3. Claudia Arnold
      Claudia Arnold sagte:
      16. Juni 2020 um 15:11

      Ich putze meine Fenster mit einem zweiseitigen Tuch, das auf einer Seite synthetisches Waschleder, auf der anderen Mikrofaser ist. Das relativ nasse Tuch benutze ich auf der Mikrofaserseite, um der Staub und die Vogelsch… abzuwaschen. Dann wasche ich das Tuch kurz aus oder wringe es nur sehr kräftig aus, falls die Spatzen gerade nicht so aktiv waren, und poliere das Wasser weg. In meinem Eimer ist Wasser mit einem Tropfen Spüli, nur zur Entspannung des Wassers. Zeitaufwand pro Fenster: Ca. 45 Sekunden. Die Reinigung der Dreh-Kipp-Mechanik (WD-40 und Silikonfett), der Fensterbretter (Schmutzradierer) und der Laufschienen der Rollläden (breiter Pinsel) ist wesentlich aufwändiger und insektenkundlich oft recht interessant (die Behausung lebender Insekten zerstöre ich nicht – wem’s nicht gefällt, kann ja selbst die Fester putzen). Manchmal wünsche ich mir, ich wäre ein Höhlenmensch…

      Antworten
    4. Michael
      Michael sagte:
      17. April 2021 um 8:41

      Leider enthält der Artikel in meinen Augen viel Panikmache. Die bei der Glasreinigung eingesetzen Konzentrationen von Ammoniak sind einfach viel zu gering, um irgendwelche Gesundheitsschäden hervorrufen zu können. Abgesehen von einer gewissen Geruchsbelästigung, droht bei der Anwendung von Salmiakgeist zum Fensterreinigen keine Gefahr für Mensch und Umwelt.
      In diesem Zusammenhang Schlagwörter wie „Nervengift“ hervorzuheben, ist bedauerlich und führt nur dazu, dass sich noch mehr Menschen von der Chemie als Naturwissenschaft abwenden.
      Mangelndes naturwissenschaftliches Verständnis und die Abwendung von allem, was mit „Chemie“ zu tun hat, sind leider schon sehr verbreitet. Es ist wirklich schade, dass Sie als Chemikerin in Ihren Artikeln solche Formulierungen und verwenden.

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        4. Mai 2021 um 7:51

        Es ist schade, dass dieser Artikel in deinen Augen „Panikmache“ darstellt. Mein Ziel ist eigentlich, eine offene und vielseitige Sicht auf die Chemie in unserem Alltag zu gewähren, um eben erst Freude an einem interessierten und verantwortungsvollen Umgang damit zu schüren. Und mangelndem naturwissenschaftlichem Verständnis entgegen zu wirken. Dazu gehört manchmal auch, direkt auf Tatsachen hinzuweisen. So sind die Eigenschaften von Ammoniak per se wie geschildert. Tatsächlich ist die Konzentration desselben in handelsüblichen Reinigungsmitteln so gering, dass keine akute Gesundheitsgefahr davon ausgeht, wenn man sie wie angedacht benutzt.

        Das Wissen darum, welche Bestandteile von Produkten sinnvoll sind und welche Probleme mit sich bringen können, ist entscheidend für eine verantwortungsvolle Auswahl von Alltagschemikalien. So habe ich in diesem Artikel eine so direkte Beschreibung gewählt, weil ich Ammoniak (einen Stoff, der nicht nur gesundheits- sondern auch umweltschädlich werden kann) in Glasreinigern für überflüssig erachte und es reichlich Produkte ohne gibt (tatsächlich hatte ich zur Zeit der Erstellung des Artikels Schwierigkeiten, in den grossen Supermärkten der Schweiz Glasreiniger mit Ammoniak zu finden).

        Antworten

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