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    Biochemischer Katzenjammer: Alkohol im Stoffwechsel – und wie man ihn wieder los wird

    Gesund mit Chemie, Wie funktioniert...?

    26.9.2016: Diese Geschichte ist nun auch ein Beitrag zur Blogparade „Wertvolle Frischekicks für den Morgen danach“ auf Barbertrends.me!

    In der laufenden Oktoberfest-Saison ist ein ganz besonderes Tier einmal mehr weit verbreitet zu beobachten. Auch nach der grossen Hochzeitsfeier in der letzten Woche hat ER so manchen Gast am Ende heimgesucht: Der „Kater“. Überhaupt nicht flauschig bringt dieses spezielle Exemplar der Gattung Felis Kopfschmerz, Übelkeit und manch andere Symptome – einen regelrechten Katzenjammer – über jeden, der im Vorfeld allzu reichlich Alkoholisches genossen hat.

    Nur wer ist bloss auf die Idee gekommen diese ungeliebten Symptome nach unseren schnurrenden Hausgenossen zu benennen?

    Tatsächlich sind Katzen damit nicht weiter verbunden als durch eine Ähnlichkeit bei der Aussprache von Begriffen: So ist dereinst im Studentenjargon der morgendliche „Katarrh“ (wenngleich dieses Wort eigentlich eine Erkältungskrankheit meint) zum ähnlich klingenden „Kater“ umgemünzt worden. Der Katzenjammer ist noch älter: Er entstand in der Zeit Goethes aus dem gar zu ordinären „Kotzen-Jammer“.

    Was wir seit Jahrhunderten, oder besser seit Jahrtausenden nach dem Konsum von alkoholischen Getränken erleben, sind letztlich nichts anderes als Vergiftungserscheinungen. Und die reichen je nach Dosis von Enthemmung über zunehmende körperliche und geistige Beeinträchtigungen bis zum Tod. Ausserdem ist eine chronische Vergiftung möglich, die durch regelmässige Aufnahme von Alkohol über lange Zeiträume entsteht.

    Aber was läuft in unserem Körper schief, wenn wir Alkohol zu uns nehmen? Warum ist ein „Kater“ so unangenehm? Und was hilft wirklich dagegen?

     

    Ethanol ist giftig

    Ethanol, wie der „Trinkalkohol“ unter Chemikern genannt ist, wird von Gefahrstoff-Experten nicht als Gift gekennzeichnet. Das ist Substanzen vorbehalten, die schon in kleinsten Mengen gefährliche Wirkung zeigen.

    Dennoch ist Ethanol, in ausreichender Menge eingenommen, in vielfältiger Weise giftig. Am schnellsten bekommen das unerwünschte Mikroorganismen zu spüren, denen wir mit alkoholhaltigen Desinfektionsmitteln den Garaus machen. Doch auch für den Menschen ist Ethanol alles andere als gesund. In erster Linie ist er als Nerven- und Lebergift bekannt, wirkt sich darüber hinaus aber auch auf andere Bereiche des Lebens aus.

    Einmal getrunken gelangt der Ethanol so gut wie vollständig in den menschlichen Körper hinein, aber auf direktem Weg praktisch nicht mehr wieder hinaus. Nur weniger als 10% können unverstoffwechselt abgeatmet oder mit dem Harn wieder ausgeschieden werden. Ethanol ist nämlich hervorragend mit Wasser mischbar, sodass er sich rasch und ungehindert in alle Körpergewebe (ausser Fettgewebe) verteilen kann. Dazu zählen auch die Plazenta und die Mutterbrust, sodass, was eine werdende oder stillende Mutter trinkt, auch dem Ungeborenen bzw. dem Säugling schaden kann.

     

    Aufnahme und Direktwirkung von Ethanol

    Etwa 20% des Ethanols, den wir trinken, gelangt direkt vom Magen in das Blut, während rund 80% erst im Dünndarm aufgenommen werden. Damit bleibt dem Fremdstoff Ethanol genügend Zeit um die Magenschleimhaut zu reizen. Das kann wehtun, zu Übelkeit beitragen und damit die erste Abwehr unseres Organismus‘ gegen Giftstoffe fördern: Erbrechen.

    So habe ich auf den ersten Schüler-Partys beobachten können, wie die Körper von Mitschülern, die in ihrer Unerfahrenheit zu eilig tranken, eine Flut von Ethanol postwendend auf dem gleichen Weg zurückschickten, den sie gekommen war.

    Der im Verdauungstrakt verbleibende Ethanol gelangt rasch durch die Magen- bzw. Dünndarmwand in die Blutbahn und wird darin weiter verteilt. So hemmt Ethanol die Freisetzung der Hormone ADH (AntiDiuretisches Hormon) und Vasopressin, die dafür sorgen, dass der Organismus stets genügend Wasser bei sich behält. Sind diese Hormone Mangelware, zieht es uns alsbald ungehemmt auf die Toilette. Wenn wir auf einer heissen Party ausserdem noch schwitzen, macht sich der unkontrollierte Flüssigkeitsverlust rasch bemerkbar: Durst, Kopfschmerzen, trockene Schleimhäute, Schwindel, Schwächegefühl, Benommenheit können die Folgen sein.

    Dazu bewirkt Ethanol eine Erweiterung der äusseren Blutgefässe – vornehmlich in der Haut. Gerötete Wangen und eine „Schnapsnase“ sind offensichtliche Folgen davon. Allerdings wird durch die rege Durchblutung, die auch in kalter Umgebung nicht abnimmt, reichlich Körperwärme abgegeben. Zum Warmhalten taugen alkoholische Getränke entgegen zahlreicher Mythen daher nicht (im Gegenteil: im angetrunkenen Zustand droht die Gefahr einer Unterkühlung!).

    All das nehmen jedoch erstaunlich viele Menschen gerne auf sich – womöglich weil Ethanol sich im Hirn ebenso leicht verteilt wie in allen anderen Geweben und dort als Nervengift in Erscheinung tritt. Dabei scheint die erste Wirkung kleiner Mengen als durchaus angenehm empfunden zu werden: Enthemmung, vermindertes Gefahrenbewusstsein…alles scheint leichter zu gehen. Von den unweigerlich damit einhergehenden Störungen der Nerven- und Muskelfunktionen – verlangsamte Reaktionszeit, undeutliche Sprache – Koordinationsschwierigkeiten,… – bekommt man da häufig nicht viel mit.

     

    Ethanol wird oxidiert

    Der Organismus hingegen bemerkt das schon. Und Funktionsstörungen, bzw. deren Ursache, werden stets schnellstmöglich beseitigt. Da Ethanol allerdings nicht einfach wieder ausgeschieden werden kann, muss er verstoffwechselt, das heisst in chemischen Reaktionen abgebaut werden. Das übernimmt die Leber. Der Ethanol, der dort angeschwemmt wird, wird in den Leberzellen oxidiert (Auf unserer Grillparty erfährst du mehr über diese Art der chemischen Reaktion).

    Dazu wird ein Oxidationsmittel benötigt, das Elektronen an Ethanol abgeben kann. Das allgemein gebräuchliche Oxidationsmittel im Körper ist das Molekül-Ion Nicotinamidadenindinucleotid, kurz „NAD+„: Das Enzym Alkohol-Dehydrogenase (ADH) katalysiert die Oxidation des Ethanols durch NAD+ zu Acetaldehyd:

     

     

    Bei dieser Reaktion werden also zwei Elektronen und ein Wasserstoffkern (H+) vom Ethanol auf NAD+ übertragen und ein weiterer Wasserstoffkern (H+) „freigesetzt“.

    Unglücklicherweise ist Acetaldehyd (CH3CHO) auch giftig. Wie fast alle Gifte kann es Erbrechen auslösen, führt zudem zu Kopfschmerzen und Pulsrasen und schädigt umliegendes Gewebe. Deshalb wird das Acetaldehyd in den Mitochondrien der Leberzellen weiter oxidiert. Das Enzym Aldehyd-Dehydrogenase (AlDH) katalysiert dort die Oxidation des Acetaldehyds zu Essigsäure (CH3COOH):

     

     

    Essigsäure, bzw. ihr Anion, das Acetat, ist Bestandteil unseres natürlichen Stoffwechsels und damit fürs Erste unproblematisch.

    Für die Oxidation eines Ethanol-Moleküls zu Essigsäure werden zwei Moleküle NAD+ benötigt, die aus dem Vitamin Niacin hergestellt werden und damit nur begrenzt verfügbar sind. Je mehr Ethanol aufgenommen wird, desto mehr NAD+ wird verbraucht und desto mehr NADH sammelt sich an. Das bringt den sonst ausgeglichenen Stoffwechsel gehörig in Schieflage.

     

    Redox-Stau und seine Folgen

    Normalerweise werden das Oxidationsmittel NAD+ und das Reduktionsmittel NADH im Zuckerstoffwechsel gebraucht: Bei der Glykolyse, die zum Beispiel in arbeitenden Muskeln oder im Gehirn abläuft, wird in mehreren Reaktionsschritten aus Glucose (Traubenzucker) Energie in Form von energiereichen ATP-Molekülen gewonnen. Einer dieser Schritte ist eine Oxidation mit NAD+. Das dabei als „Abfall“ entstehende Pyruvat wird anschliessend mit NADH zu Lactat (dem Anion der Milchsäure) reduziert und NAD+ in diesem Zuge zurückgewonnen.

    Das Lactat wird in der Blutbahn in die Leber transportiert, wo es mit NAD+ zu Pyruvat oxidiert und zur Gluconeogenese, einer Folge von Reaktionen zur Herstellung von Glucose, unter welchen eine Reduktion mit NADH  zu finden ist, verwendet. So nimmt die Leber den Muskeln etwas Stoffwechsel-Arbeit ab und gewinnt das dazu nötige Oxidationsmittel gleich selbst zurück.

    Cori-Zyklus


    Vereinfachte Darstellung des Glucose-Stoffwechsels: Das Oxidationsmittel NAD+ wird sowohl im Rahmen der Gluconeogenese in der Leber als auch im Rahmen der Glykolyse laufend wieder zurückgewonnen.
    Wird durch den Abbau von Ethanol in der Leber (links) NAD+ ohne direkten Ersatz reduziert, wird die Oxidation von Lactat zu Pyruvat und damit die Glucose-Erzeugung gehemmt, während die Lactat-Produktion zunächst weiterläuft. Die Folgen sind ein Lactat-Überschuss im Blut (Lactatacidose) und ein zunehmend niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie)

     

    Bei der Oxidation von Ethanol funktioniert die Rückgewinnung des Oxidationsmittels jedoch nicht. Sobald die Leber Ethanol abbauen muss, wird NAD+ verbraucht und nicht ersetzt. So fehlt bald das Oxidationsmittel für die Lactat-Oxidation, sodass in der Leber nicht genügend Pyruvat für die Glucose-Herstellung bereitgestellt werden kann.

    Das vom Rest des Körpers angelieferte Lactat staut sich so bis in die Blutbahn zurück, sodass der pH-Wert im Blut absinkt (Mediziner nennen diesen Zustand „Lactatacidose“). Dass das unangenehm ist, weiss jeder, der sich schon einmal beim Sport so sehr verausgabt hat, dass seine Muskeln schmerzten. Eine nicht ausreichende Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff kann nämlich auch zum Lactat-Stau führen – der allerdings innerhalb von Sekunden behoben wird, sobald man eine Pause macht und wieder zu Atem kommt.

    Ein Lactat-Stau durch Alkoholgenuss wird sich hingegen erst wieder auflösen, wenn der Ethanol weitgehend abgebaut und die Stoffwechselwege damit wieder frei sind. Hinzu kommt, dass ohne Glucose aus der Leber der Blutzuckerspiegel absinken kann, sodass andere Organe Energiemangel zu beklagen haben und dies mit verminderter Leistungsfähigkeit quittieren.

     

    Eine Laus auf der Leber: Folgen der Essigsäure-Entstehung

    Essigsäure bzw. Acetat wird gleich am Ort seiner Entstehung mit dem Hilfsstoff Coenzym A zu dem Molekül Acetyl-CoA zusammengesetzt, welches normalerweise im Citratzyklus zu zwei Molekülen CO2 abgebaut wird, die abgeatmet werden können (das Coenzym A bleibt dabei übrig und wird wiederverwendet). Dieser Essigsäure-Abbau im Citratzyklus erfordert aber NAD+ und erzeugt NADH, sodass der Mangel an ersterem (wie auch der Überschuss an zweiterem) den Abbau von Acetyl-CoA ausbremst. Überschüssige Essigsäure wird daraufhin in sogenannte „Ketonkörper“ verpackt. Das sind Moleküle, die zum Abtransport ins Blut gelangen können, dort aber unglücklicherweise den pH-Wert weiter senken.

    Citratzyklus: Rückstau im "Kreisverkehr" trägt zum Kater bei


    Abbau von Essigsäure im Citratzyklus (vereinfachte Darstellung): Eine Essigsäure- bzw. Acetylgruppe (enthält 2 C-Atome: C2) ist an Coenzym A gebunden (Acetyl-CoA) und wird von diesem auf Oxalacetat übertragen. Das entstehende Citrat (mit insgesamt 6 C-Atomen) wird im Folgenden oxidiert, wobei Kohlendioxid (CO2) abgespalten wird, ehe der verbleibende Molekülrest mit 4 C-Atomen zu Oxalacetat recycelt wird.
    Ein Mangel am Oxidationsmittel NAD+ führt zu einem Rückstau entgegen der gezeigten Reaktionsrichtung, bis über die Entstehung und Einspeisung von Acetyl-CoA hinaus, sodass überschüssige Essigsäure in Ketonkörpern untergebracht werden muss.
    nach: TCA cycle By Yikrazuul (Own work) [CC BY 3.0]

    Da sich die meisten Stoffwechselreaktionen selbst regulieren, entsteht darüber hinaus weiterer Rückstau: Ein Überschuss an Essigsäure bremst so die Oxidation von Acetaldehyd. Dieses erhält so die Gelegenheit, unkontrolliert mit verschiedenen Proteinen in seiner Umgebung zu reagieren und diese funktionslos zu machen. Im schlimmsten Fall gehen die betroffenen Zellen daran ein, was zu Entzündungserscheinungen im Lebergewebe führt. Wiederholt oder gar dauerhaft auftretend kann eine solche „alkoholische Hepatitis“ die gleichen Langzeitfolgen wie eine Virus-Hepatitis haben.

     

    Noch eine Laus: Entgiftung durch Cytochrom P450

    Die Leber ist ein auf Entgiftung spezialisiertes Organ. So kann Ethanol auch mit Hilfe des Proteins Cytochrom P450, einer recht universellen Entgiftungsvorrichtung der Leber, abgebaut werden: Dabei wird NADPH, ein dem NADH-ähnliches Molekül, zu NADP+ oxidiert um das Protein zu aktivieren, welches den Ethanol mit molekularem Sauerstoff zu Acetaldehyd und weiter zu Essigsäure oxidieren kann.

    Allerdings entstehen dabei auch freie Radikale, also Atome oder Kleinmoleküle, denen einzelne Elektronen fehlen. Solche Teilchen reagieren auf ihrer Suche nach Elektronen blindlinks (radikal eben) mit allem, was ihnen in die Quere kommt, was wiederum zur Schädigung von Biomolekülen, Zellen und Gewebe führt.

    Zum Schutz vor Radikalen enthalten Zellen leicht oxidierbare, also Elektronen spendende Moleküle wie Glutathion, die Radikale abfangen und damit unschädlich machen können. Allerdings muss Glutathion nach getaner Arbeit durch Reduktion mit NADPH zurückgewonnen werden. Und NADPH wird bereits durch den Ethanol-Abbau an Cytochrom P450 in Beschlag genommen. So sorgen neben dem Acetaldehyd-Rückstau auch zunehmend nicht-abgefangene Radikale für Stress im Lebergewebe.

    Cytochrom P450 erledigt ausserdem den Abbau von vielen Medikamenten und anderen Drogen: Wenn der Alkoholstoffwechsel das Protein in Beschlag nimmt, müssen andere Stoffe warten: Wirkungen von Medikamenten und Drogen können so erheblich verlängert bzw. verstärkt werden.

     

    Was hilft wirklich gegen einen Kater?

    Da ein „Kater“ nichts anderes ist als eine Vergiftungserscheinung ist, sollte man ihn meiner Meinung nach auch wie eine Vergiftung behandeln und den Körper bei der Entgiftung auf natürlichem Weg unterstützen. Kurz gesagt: „Abwarten und Tee trinken“.

    Länger gesagt: Dem Flüssigkeitsverlust kann durch reichliches Trinken (aber keinen Alkohol!) entgegengewirkt werden. Wer mehr als Wasser bei sich behält, kann möglichen Elektrolytverlust durch Erbrechen oder Durchfall mit Salzigem (z.B. klarer Brühe) ausgleichen. Wem das bekannt vorkommt: Tatsächlich ist eine Magen-Darm-Grippe auch nichts anderes als eine Vergiftung: Hierbei entstammen die Giftstoffe jedoch den Krankheitserregern. So ist beim Kater wie bei der Grippe zudem Ruhe an einem gemütlich warmen Ort von Nutzen.

    Beim Alkohol spielen zusätzlich der Stoffwechsel-Stau in der Leber und häufige Kopfschmerzen eine Rolle. Sofern Flüssigkeitsausgleich und Ruhe dem Kopfweh nicht ausreichend entgegenwirken, können Kopfschmerztabletten helfen. Allerdings reizen Aspirin, Paracetamol und Co die Magenschleimhaut noch zusätzlich und müssen in der Leber unter den beschriebenen erschwerten Umständen abgebaut werden. Wer keinen Durchfall hat, kann mit Fieberzäpfchen den Magen schonen oder das Erbrechen von Tabletten umgehen – die Leberbelastung bleibt so jedoch die gleiche wie durch Tabletten.

    So erachte ich auch alle weiteren Medikamente und Fremdstoffe, die über die Leber verstoffwechselt werden, eher als hinderlich denn als hilfreich. Stattdessen nutze ich das Wirksamste aller Mittel gegen einen Kater: Ich trinke keinen Alkohol.

     

    Und wenn es ganz schlimm kommt?

    Sollte euch einmal jemand begegnen, der nach übermässigem Alkohol-Genuss schwerwiegende Symptome (Bewusstlosigkeit, Unterkühlung, Dehydrierung, Schock-Anzeichen,…) zeigt oder zu entwickeln droht, sind lebensrettende Sofortmassnahmen und ein Notruf angesagt. Eine schwerwiegende „Alkoholvergiftung“, die Extremform von Rausch und Kater, kann zum Tod (meist durch Atemlähmung – Ethanol ist ein Nervengift!) führen!

     

    Und was tut ihr gegen einen Kater?

     

    Literatur: 

    J.M. Berg, John L.Tymoczko, L.Stryer: Biochemie. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg, Berlin 2003

    E.Oberdisse, E.Hackenthal, K.Kuschinsky: Pharmakologie und Toxikologie. Springer Verlag, 2013

    1. Oktober 2015/11 Kommentare/von Kathi Keinstein
    Schlagworte: Alkohol, Biochemie, Biologie, Chemie, Ethanol, Hangover, Kater, Katzenjammer, Leber, Redox-Reaktion, Zuckerstoffwechsel
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    https://www.keinsteins-kiste.ch/wp-content/uploads/2015/09/Blogbild_Kater.png 450 810 Kathi Keinstein https://www.keinsteins-kiste.ch/wp-content/uploads/2018/03/Logo_rund.png Kathi Keinstein2015-10-01 15:44:472019-09-26 15:18:29Biochemischer Katzenjammer: Alkohol im Stoffwechsel – und wie man ihn wieder los wird
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    11 Kommentare
    1. Christian
      Christian sagte:
      1. Oktober 2015 um 17:01

      Ich finde Ibuprofen und Elektrolytzufuhr (Salz) hilfreich. Ibuprofen geht zwar auch etwas auf die Magenschleimhaut (aber nicht so schlimm wie Aspirin), ist schneller wieder aus dem Körper und wird überwiegend über die Niere ausgeschieden. Aber dein Mittel ist natürlich das vernünftigste 😉

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        2. Oktober 2015 um 15:07

        Ibuprofen bereitet mir persönlich einen dicken Kopf (was im Falle eines Katers vermutlich recht egal wäre), weshalb ich das nicht als Kopfschmerzmittel nehme, sondern allenfalls mal bei einem schmerzhaften Infekt anderswo – denn wirksam ist es allemal.

        Antworten
    2. Sarah
      Sarah sagte:
      2. Oktober 2015 um 16:36

      Sehr interessant, das mal so aufgeschlüsselt zu sehen! Ehrlich gesagt, trinke ich inzwischen auch kaum Alkohol. Höchstens mal ein Glas Wein zum Essen. Auch da achte ich aber immer darauf, dass ich reichlich Wasser trinke (soll man ja auch unabhängig vom Alkohol) und so bereitet mir das keine Probleme. Grundsätzlich vertrage ich aber nur sehr wenig Alkohol und lasse auch eher die Finger davon 🙂

      Viele Grüße
      Sarah

      Antworten
    3. Atroksia
      Atroksia sagte:
      15. Januar 2016 um 20:08

      Deswegen trink ich nur selten Alkohol und das nur aus genießerischen Gründen, d.h. nur extrem wenig. Helfen bei der Art von Vergiftung auch Kohletabletten?

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        16. Januar 2016 um 16:33

        Kohletabletten, also „Aktivkohle“ bzw. „Medizinalkohle“ wirkt wie ein molekularer Schwamm, der verschluckt wird, durch den Verdauungstrakt wandert und am Ende auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden wird. Auf seinem Weg saugt er wahllos fast alles, was ihm in die Quere kommt, mehr oder minder gut auf und nimmt es mit „nach draussen“. Das funktioniert mit vielen Giftstoffen, aber auch Enzymen, Vitaminen und Nährstoffen, und sogar mit Bakterien (deshalb wirkt Kohle auch gegen Durchfall und Blähungen). Das kann zu Verstopfung führen, weshalb man bei der Gabe von grösseren Mengen Kohle bei akuten Vergiftungen im Nachhinein oft Natriumsulfat- (Glaubersalz-)Lösung, die abführend wirkt, verabreicht.

        Das heisst, die Kohle könnte gegen einen Kater nur dann wirken, während der Alkohol sich noch im Verdauungstrakt befindet. Der schnellen Aufnahme des Alkohols in den Blutkreislauf wegen müsste die Kohle deshalb schon während des Alkoholkonsums eingenommen werden, und zwar in rauhen Mengen. Darüber hinaus erübrigt sich die (orale) Einnahme aller anderen Medikamente (auch aus gesundheitlichen Gründen notwendiger!), da diese ebenfalls von der Kohle „aufgesogen“ (adsorbiert) werden.

        Das eigentliche K.O.-Kriterium für Kohle gegen den Kater ergibt sich jedoch daraus, dass Ethanol und andere Alkohole nicht besonders fest adsorbiert werden und deshalb mit Kohle nicht wirksam abtransportiert werden können (laut http://www.pharmawiki.ch ist Aktivkohle bei der Entgiftung von Alkoholen „nicht wirksam“).

        Wenig oder gar nicht trinken ist letztendlich also immernoch die beste Wahl 🙂

        Antworten
    4. Claudia
      Claudia sagte:
      16. Januar 2016 um 1:24

      Zum Glück vergifte ich mich nur so selten und in so geringer Dosis, dass ich keinen Katzenjammer befürchten muss ;-).

      Übrigens hatte ich aber, als das anders war, an Katertagen immer wahnsinnig Lust auf Cola und Blutorangensaft. Natürlich nicht gemischt, sondern getrennt 😉 Hast du dafür eine Erklärung?

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        16. Januar 2016 um 17:05

        Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass mein Magen mir recht deutlich „sagt“, was der Körper braucht, wenn ich mich aus irgendeinem Grund nicht gut fühle. Ich könnte mir vorstellen, dass dein Körper angesichts all der Anstregung, die so ein Kater mit sich bringt, „Zucker!“, also „Energie!“ sagt – und Zucker hat es in der Cola reichlich (sogar so reichlich, dass Cola aus medizinischer Sicht bei Durchfall gar nicht empfohlen wird (entgegen ihrer Bekanntheit als Hausmittel): http://www.apotheken-umschau.de/Durchfall/Durchfall-Helfen-Salzstangen-und-Cola-103951.html).

        Orangensaft gilt ja gemeinhin als sinnvoller Bestandteil eines Katerfrühstücks, weil er reichlich Elektrolyte (Salze und etwas Zucker) und weitere gesunde Nährstoffe enthält. So kenne ich Orangensaft auch als Bestandteil von hausgemachter Elektrolyt-Mischung bei Flüssigkeitsverlust (Durchfall!) im Allgemeinen. Wenn du den Nutzen von Orangensaft also irgendwann mal „gelernt“ hast, mag es sein, dass dein Körper ihn deswegen zum Katerfrühstück „fordert“. Und könnte es darüber hinaus sein, dass Saures (dazu gehört BLUTorangensaft meinesachtens ja) bei Unwohlsein/Übelkeit noch am ehesten als erträglich empfunden wird (ich habe keine eigene Kater-Erfahrung und werde nur sehr selten Magen-Darm-krank…)?

        Antworten
    5. Nina
      Nina sagte:
      28. Februar 2016 um 11:42

      Huhu,

      ich hatte noch nie einen Kater, obwohl ich durchaus schon mehr getrunken habe, als ich hätte trinken sollen 😀
      Ich denke, das liegt daran, dass ich zwischendurch immer wieder mal ein Glas Wasser oder Cola trinke. Flüssigkeit halt… oder?

      LG
      Nina

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        1. März 2016 um 9:44

        Ich denke auch, dass reichlich zusätzliche Flüssigkeit (mit Elektrolyten) den Symptomen vorbeugen kann, da viele der Unannehmlichkeiten schliesslich von Flüssigkeitsverlust herrühren.

        Darüber hinaus höre ich aber immer wieder von Menschen mit sehr unterschiedlicher „Konstitution“, die darüber hinaus nicht einmal zwingend mit dem Körpergewicht zusammen zu hängen scheint…

        Antworten
    6. Gunter
      Gunter sagte:
      16. September 2016 um 19:31

      Du hast eine echte Begabung, die Zusammenhänge verständlich darzustellen! Vielen Dank dafür!

      Antworten
      • Kathi Keinstein
        Kathi Keinstein sagte:
        19. September 2016 um 9:38

        Vielen Dank für dein Kompliment 🙂 – sowas gibt mir immer wieder Auftrieb!

        Antworten

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