Klimawandel - Worum geht es da eigentlich?

Jeden Freitag gehen wieder Tausende Jugendliche auf die Strasse, fordern Engagement für den Klimaschutz. Alex von livelifegreen hat deshalb zur Blogparade #bloggersforfuture aus Solidarität zu unseren Kindern aufgerufen. Die setzen sich nämlich für ihre Zukunft ein, die wir heute Erwachsenen ziemlich leichtfertig aufs Spiel gesetzt haben und noch aufs Spiel setzen. Indem wir den Klimawandel zugelassen haben.

Aber worum geht es da eigentlich?

Was ist eigentlich Klima? Was passiert mit dem Klima auf der Erde: Warum wird es wärmer? Können wir überhaupt etwas dagegen tun? Was können Politiker und die Wirtschaft tun? Was kann jeder von uns beitragen?

Mit den Antworten auf diese Fragen könnte ich ein ganzes Buch füllen – oder zumindest eine ganze Beitragsserie. Deshalb bleibe ich in Teilen dieses Artikels bewusst oberflächlich, enthalte euch aber spannende und verlässliche Links zum Weiterlesen nicht vor.

Woher ich meine Daten habe

Verlässlich ist ein gutes Stichwort: Nicht zuletzt im Netz findet man eine ganze Menge mehr oder weniger dem aktuellen Wissensstand entsprechenden Informationen und Behauptungen rund um das Klima und seine Veränderung.

Umso froher war ich, dass ein Student der ETH Zürich die Aufgabe, eine verlässliche Übersicht über diesen Wissensstand zusammen zu tragen, im Rahmen einer mentorierten Arbeit bereits erledigt hat. Der Autor verwendet dazu hauptsächlich Daten des “Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)”, das 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) eingerichtet worden ist. Dessen Zusammenfassungen der weltweiten Forschungsergebnisse könnt ihr hier in offiziellen deutschen Übersetzungen in allen Einzelheiten nachlesen.

Aus Zeitgründen bezieht sich mein Artikel vornehmlich auf die 2012 entstandene mentorierte Arbeit. Ich gehe jedoch guten Gewissens davon aus, dass auch die jüngeren Berichte des IPCC von den grundlegenden Aussagen nicht gross abweichen werden.

Nun aber zum Wesentlichen.

Was ist eigentlich Klima?

Letzten Donnerstag hatten wir Schneefall bis in tiefe Lagen – im April. Von Klimaerwärmung kann da keine Rede sein, mögen manche tönen. Die vergessen nur eins: Wetter und Klima sind zwei ganz unterschiedliche Dinge!

Wetter ist nämlich ein kurfristiges Geschehen in der Atmosphäre an einem bestimmten Ort (über) der Erdoberfläche.

Ein Beispiel: Am Donnerstag (4.April 2019) betrug die Lufttemperatur zur wärmsten Tageszeit hier in Pfäffikon SZ laut Accuweather.com 4°C.

Das Klima ist dagegen das “Durchschnittswetter” über grössere Teile der Erde oder gar den ganzen Planeten und über einen langen Zeitraum verteilt.

Um das Klima in einer bestimmten Region oder auf der ganzen Erde zu bestimmen, werden also viele Daten an vielen Orten und/oder über grössere Zeiträume hinweg gesammelt, Durchschnittswerte berechnet und die Bandbreite von Abweichungen davon bestimmt.

Durchschnittlich ist es hier in Pfäffikon Anfang April zur wärmsten Tageszeit 13°C warm (Accuweather gibt leider nicht preis, über welchen Zeitraum die Temperaturen erfasst worden sind). Das Wetter am Donnerstag war also ein Ausreisser im Vergleich zum hiesigen Klima. Wie häufig solche Ausreisser sind oder ob unser April regelrecht aus Ausreissern nach oben und unten besteht (wie man ihm ja gerne nachsagt), geben die Daten von Accuweather allerdings nicht her.

Es geht noch komplexer: Das Klimasystem

Der Begriff “Klima” ist eigentlich viel zu einfach für das vielschichtige System, das hinter dieser Datensammlung steckt. Das Klimasystem der Erde setzt sich nämlich aus einer ganzen Reihe verschiedener Systeme zusammen:

Der Atmosphäre (also der Lufthülle der Erde), der Gesamtheit aller Meere und Gewässer (Hydrosphäre), der Gesamtheit von Eis und Schnee auf der Erde (Kryosphäre), der steinernen Erdkruste (Lithosphäre), der Gesamtheit des Erdbodens (Pedosphäre) und schliesslich der Gesamtheit der Lebewesen (Biosphäre), welche all diese Systeme bevölkern.

Und all diese System stehen in ständigem Austausch untereinander: In verschiedenen, aber zusammenhängenden Kreisläufen werden immerzu Energie und Stoffe zwischen den verschiedenen Bereichen ausgetauscht. Wichtige Beispiele für solche Stoffkreisläufe habe ich im Artikel über die Hermetosphären näher erklärt. Dort findet ihr auch eine Anleitung, wie ihr euer eigenes Mini-Klimasystem im Wohnzimmer selbst anlegen und beobachten könnt!

Ein solches Netzwerk aus miteinander verbundenen Systemen bedeutet: Wenn irgendwo an einer Stelle etwas daran verändert wird, kann diese Veränderung Folgen für weite Teile des Netzwerks, wenn nicht gar für das ganze Klimasystem haben! Und dass sich von den letzten Jahrzehnten an in auffälliger Weise etwas ändert, ist laut der Beobachtungen der Klimawissenschaftler unbestreitbar.


Was passiert mit dem Klima auf der Erde?

Seit gut 100 Jahren wird die Klimaentwicklung wissenschaftlich beobachtet, vermessen und festgehalten. Ältere Daten können in historischen Quellen gesucht oder aus erdgeschichtlichen Spuren (Baum-Jahresringe, Bohrkerne aus Eis oder Gestein, Fossilien,…) gewonnen werden.

Was die Wissenschaftler direkt beobachten konnten

  • Von 1906 bis 2005 ist die Durchschnittstemperatur auf der Erde um 0,74°C angestiegen.
  • Der Meeresspiegel ist im Laufe des 20. Jahrhunderts um ca. 0,17m angestiegen.
  • Die im Mittel von Schnee und Gletschern bedeckte Fläche (Eiskappen an den Polen nicht mit eingerechnet) wird kleiner.
  • Einige Gebiete der Erde (Nord- und Südamerika, Nordeuropa, Nord- und Zentralasien) erfahren mehr Niederschläge (Regen, Schnee,…), andere Gebiete (Sahel, Mittelmeerraum, Südafrika, Teile Südasiens) werden hingegen trockener.

Was die Klima-Geschichtsforscher ihren Spuren entnehmen können

  • Die Durchschnittstemperatur war während der letzten 1300 Jahre nie hoch wie heute.
  • Der Meeresspiegel war vor 125’000 Jahren – lange bevor es nennenswert Menschen auf der Erde gab – rund 4 bis 6 Meter höher als im 20. Jahrhundert (Grund dafür war eine Zwischeneiszeit, in der es zum Abschmelzen grosser Mengen Eis und Schnee kam).

Einige der jüngst beobachteten Entwicklungen werden also von den geschichtlichen Daten als unnatürlich bestätigt, andere weniger.

Warum geschieht nun die Klimaerwärmung?

Dass es auf der Erde überhaupt lebensfreundlich warm ist, haben wir der Sonne zu verdanken. Die versorgt uns nämlich mit einem bunten Mix von Energie in Form elektromagnetischer Strahlung: Licht Wärme, UV-Strahlung,… Die jährliche Leistung unseres Sonnenofens beträgt dabei über den ganzen Planeten gemittelt 342 Watt pro Quadratmeter.

Knapp ein Drittel dieser Strahlung bewirkt allerdings überhaupt nichts: Eine Strahlungsleistung von 107 Watt pro Quadratmeter und Jahr wird ins Weltall zurückreflektiert (von Wolken, der Erdoberfläche und Aerosolen, also Partikeln in der Luft) ohne mit den Bestandteilen des Planeten Energie auszutauschen.

Unsere globale Energiebilanz

Die übrigen Strahlen mit einer Leistung von 235 Watt geben ihre Energie an die Erdoberfläche und die Atmosphäre ab. Mit dieser Energie kann nun beispielsweise Wasser verdunsten (es entstehen Wolken, die ihre Energie wiederum abgeben können, wenn sie abregnen), energiereiche Moleküle in Lebewesen entstehen oder es wird schlichtweg warm. Schlussendlich wird die gesamte Energie aber wieder in den Weltraum abgestrahlt.

Nach den zahlreichen Umwandlungen kommt die Energie jedoch nicht als breit gefächerter Strahlenmix wieder heraus, sondern vornehmlich in Form von langwelliger Wärmestrahlung. Die Gesamtleistung der abgegebenen Strahlung ist aber die selbe wie die jener Sonnenstrahlung, die zuvor von der Erde aufgenommen worden ist: 235 Watt pro Quadratmeter und Jahr.

Genau so hat eine ordentliche Bilanz auszusehen: Was reinkommt, geht auch irgendwo wieder raus und die Bilanz ist 0.


Abschätzung der jährlich und global gemittelten Energiebilanz der Erde. Langfristig wird die Menge an einfallender Sonnenstrahlung, die von der Erde und der Atmosphäre absorbiert wird, dadurch ausgeglichen, dass Erde und Atmosphäre die gleiche Menge langwelliger Strahlung wieder freisetzen. Ungefähr die Hälfte der einfallenden Sonnenstrahlung wird von der Erdoberfläche absorbiert. Die Energie gelangt in die Atmosphäre, wenn sich die Luft im Kontakt mit der Oberfläche erwärmt („Thermik“), sowie durch Verdunstung von Wasser („Evapotranspiration“ genannt) und durch langwellige Strahlung, die durch Wolken und Treibhausgase absorbiert wird. Die Atmosphäre wiederum strahlt langwellige Energie sowohl auf die Erde zurück, wie auch in den Weltraum hinaus. Bildquelle: Kiel und Trenberth (1997).

Die Erde: Ein gar nicht idealer schwarzer Körper

Wenn die Erde nun ein idealer schwarzer Körper wäre, könnte man mit einer physikalischen Gleichung, dem Stefan-Boltzmann-Gesetz, anhand der abgegebenen Strahlungsleistung berechnen, welche Temperatur ihre Oberfläche haben sollte.

Solch ein schwarzer Körper ist die Erde zwar nicht, aber dem doch immerhin so ähnlich, dass man die erwartete Oberflächentemperatur anhand dieses Gesetztes abschätzen kann. Und die Schätzungen der Wissenschaftler belaufen sich auf -19°C. Also im Mittel auf ständigen sibirischen Winter auf dem ganzen Planeten. Irgendwie passt das Stefan-Boltzmann-Gesetz also doch nicht so gut zu unserer Erde.

Treibhauseffekt…

Das liegt daran, dass dieses Gesetz nicht berücksichtigt, dass ein erheblicher Teil der wieder abgegebenen Wärmestrahlung von der Erdatmosphäre gleich wieder zur Erdoberfläche zurückgeworfen wird. Dort wird die Strahlung erneut von Wasser, Lebewesen und anderen Bestandteilen der Oberfläche aufgenommen und umgewandelt, ehe sie in einem zweiten Anlauf erneut abgegeben wird. Und auch davon wirft die Atmosphäre einen Teil gleich wieder zurück.

Statt eines ungehinderten Energieaustauschs gibt es also einen Rückstau: An der Erdoberfläche unter ihrer Atmosphärenhülle wird ein Teil der Sonnenenergie “zwischengelagert”. So ist es möglich, dass die Erdoberfläche in einem Jahr mehr Energie abstrahlt (mit 390 Watt pro Quadratmeter) als sie direkt von der Sonne erhält (235 Watt pro Quadratmeter).

Das “Mehr” resultiert aus jener Strahlung, die gleich wieder aus der Atmosphäre zurückkommt und noch einmal abgestrahlt werden kann. Die zwischengelagerte Energie können wir überdies direkt wahrnehmen: Dank ihr war es 1997 an der Erdoberfläche im Mittel nicht -19°C, sondern +14°C warm (Kiehl und Trenberth, 1997)!

Dieser wärmende Effekt kann auch ganz einfach in einem gläsernen Gewächshaus beobachtet werden: Hier übernehmen Glasdach und -wände die Rolle der Atmosphäre und werfen ursprünglich von der Sonne stammende Energie wieder zurück, bevor sie aus dem Glashaus entweichen kann. So wird es im Gewächshaus wesentlich schneller warm als draussen. Deshalb wird der ganze Vorgang auch “Treibhauseffekt” genannt.

…durch Treibhausgase

Besonders gut im Zurückwerfen von Wärmestrahlung ist das Gas Kohlenstoffdioxid, CO2. Das ist erst einmal ein natürlicher Bestandteil der Erdatmosphäre, der zum Beispiel durch Vulkanausbrüche oder die Ausscheidungen sauerstoffatmender Lebewesen da hinein gelangt.

Methan, CH4, ist ein weiteres solches Treibhausgas. Auch das kommt in der Natur vor: In Erdgas oder gebunden in Methanhydrat tief unter dem Permafrost Sibiriens oder am Meeresgrund, als Ausscheidung von Mikroorganismen als Faul- oder Sumpfgas oder Darm-Abgas von höheren Säugetieren (man denke an die furzenden Kühe).

Wie kann der Energiehaushalt der Erde verändert werden?

  1. Der Energiehaushalt des Planeten – insbesondere die Menge der “zwischengelagerten” Energie und damit die Temperatur an der Oberfläche – könnte vor allem durch Änderungen an drei Stellen beeinflusst werden.
  2. Durch Änderung des Einfalls von Sonnenstrahlen, zum Beispiel durch Veränderung der Erdumlaufbahn oder/und Achsenneigung
  3. Änderungen des Anteils reflektierter Sonnenstrahlen, zum Beispiel durch Veränderung der Landschaft bzw. der Schnee- und Eisdecken auf der Erdoberfläche
  4. Änderung der Menge von der Erde abgegebener langwelliger Strahlung – mit anderen Worten durch Änderung der Energiemenge, die von der Atmosphäre gleich wieder zurückgeworfen wird!

Wie entsteht natürlicher Klimawandel?

  1. Durch zyklische Änderung der Sonneneinstrahlung: Tatsächlich “eiert” die Erde ein wenig, d.h. ihre Drehachse schwankt wie die eines Spielzeugkreisels, der nicht perfekt senkrecht auf einer glatten Oberfläche kreiselt. Auch die Umlaufbahn der Erde um die Sonne selbst ist nicht unveränderlich: Sie verändert sowohl ihre Form als auch ihre Orientierung. Das alles geschieht jedoch in wiederkehrender Weise, und zwar in Zyklen von etwa 20’000 bis 100’000 Jahren. Also zu langsam, um für die drastischen Veränderungen in den letzten 100 Jahren verantwortliche zu sein.
  2. Durch Prozesse wie die tektonische Verschiebung von Kontinentalplatten. Die kann ganze Kontinente in eine andere Klimazone verschieben, sodass nicht nur das dortige Klima sondern als Konsequenz auch die Landschaft und damit die Reflektion der einfallenden Strahlen sich verändern. Durch die mit der Kontinentaldrift einhergehende Veränderung der Form und Grösse von Meeren werden zudem Meeresströme erzeugt, in ihrem Verlauf verändert und zum Versiegen gebracht. Das alles geschieht jedoch noch um ein Vieles langsamer als die Milankovic-Zyklen (s.1.)!
  3. Durch schwerwiegende Ereignisse wie Vulkanausbrüche oder Asteroideneinschläge: Wenn dabei grosse Mengen Treibhausgase wie CO2 freigesetzt und Russ- und Staubpartikel in die Luft befördert werden, kann das sowohl die Sonneneinstrahlung (mehr wird reflektiert: es wird dunkler und kälter auf der Erde) als auch den Treibhauseffekt (mehr Treibhausgase machen ihn grösser) beeinflussen.

Alles in allem reicht das sehr wahrscheinlich nicht als Erklärung für die bedeutsamen Veränderungen in den letzten 100 Jahren und diejenigen, die uns gemäss Berechnungen der Wissenschaftler noch bevorstehen können.

Wie entsteht von Menschen gemachter (anthropogener) Klimawandel?

Sehr wahrscheinlich ist die steigende Menge der von Menschen erzeugten Treibhausgase, allen voran CO2, die Haupttriebkraft für die menschengemachte Klimaerwärmung.

Kohlenstoffdioxid, CO2, gelangt durch Verbrennung von Kohlenstoffverbindungen in die Luft: Durch das Verheizen von Kohle in Kraftwerken zur Stromerzeugung, die Verbrennung von Kraftstoffen aus Erdöl und -gas in Autos, Flugzeugen und Schiffen, durch das Abbrennen von Wäldern zur Gewinnung von Ackerflächen.

Strom wird wiederum produziert, weil er gebraucht wird: Zur Herstellung von Waren, um diese Waren von der Fabrik zu uns – die wir die Waren kaufen wollen – zu bringen und um sie benutzen (wenn es sich dabei um Elektrogeräte handelt). Deshalb wird heute für viele Dinge ein “CO2-Ausstoss” angegeben, obwohl sie selbst gar keinen Kohlenstoff verbrennen.

Methan, CH4, kommt aus unverbrannt freigesetztem Erdgas, den Darmgasen (“Furzen”) von Nutztieren und aus aufgrund der Erwärmung durch die anderen Ursachen auftauendem Methanhydrat.

Diese zusätzlichen Mengen Treibhausgase in der Atmosphäre werfen mehr langwellige Strahlung auf die Erde zurück – mehr Energie wird an der Oberfläche zwischengelagert: Es wird wärmer.

Wir Menschen tun auch Dinge, die der Erwärmung entgegen wirken

Winzige Staub- und Flüssigkeitspartikel (sogenannte Aerosole), die mit unseren Abgasen in die Atmosphäre gelangen, reflektieren mehr Sonnenstrahlen, bevor sie ihre Energie an die Erdoberfläche abgeben können. Die Veränderung von Landschaften – zum Beispiel durch das Abholzen von Wäldern – führen ausserdem dazu, dass die Erdoberfläche mehr Strahlen reflektiert, anstatt ihre Energie aufzunehmen.

Das Problem dabei: Wälder gehören zu den effektivsten CO2-Beseitigern unserer Erde. Die Pflanzen nehmen das Gas auf, verwenden den Kohlenstoff daraus für ihr eigenes Wachstum und scheiden den Sauerstoff wieder aus.

Alles in allem – so zeigen es die Beobachtungen der Klimawissenschaftler – überwiegt der wachsende Treibhauseffekt die anderen Auswirkungen unseres Treibens: Es wird schliesslich wärmer auf der Erde.


Wie wird sich das Klima weiter entwickeln?

Um diese Frage genau zu beantworten, müssten die Klimawissenschaftler alle Einzelheiten des ganzen komplexen Klimasystems in ihre Computer füttern und den bisherigen Verlauf der Klimaentwicklung für die Zukunft weiterrechnen lassen. Bevor sie aber so zu einem Ergebnis kämen, würde aber jeder Computer unweigerlich heiss laufen. Denn die ganze Wirklichkeit lässt sich unmöglich in all ihren Einzelheiten in einem unserer heutigen Computer abbilden.

Deshalb erschaffen die Wissenschaftler sogenannte Klimamodelle. Ein solches Klimamodell ist eine vereinfachte Version der Wirklichkeit, die genau genug ist, um wirkliche Verhältnisse passend zu beschreiben, aber einfach genug, um die Computer der Wissenschaftler nicht zu überfordern. Das kann erreicht werden, indem das Modell so geschaffen wird, dass es die Einzelheiten, die man damit zeigen will, besonders genau beschrieben werden – während weniger wichtige Details mitunter sehr ungenau gehalten werden.

Modelle fürs Klima sind wie Modelle in der Chemie

Wir Chemiker gehen auf die gleiche Weise vor, wenn wir Atommodelle verwenden: Wenn ich euch zeigen möchte, wie zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom in einem Wassermolekül angeordnet sind, genügt es, sich die Atome als massive Kugeln vorzustellen, die miteinander verbunden sind. Wie genau diese Atome aussehen, ist dabei erst einmal uninteressant.

Möchte ich euch dagegen erklären, was Ionen sind, brauche ich dazu zumindest ein Modell, das Atomkern und Elektronenhülle kennt, und wenn ihr wissen möchtet, warum das Natrium-Ion im Kochsalz genau eine positive Ladung trägt, werde ich um das Schalenmodell für die Elektronenhülle nicht herum kommen.

Jedes dieser Modelle eignet sich dafür, einen Teil der chemischen Wirklichkeit zu beschreiben, auch wenn alle Modelle irgendwo ihre Grenzen haben. Deshalb haben die Chemiker ihre Modelle im Laufe der Geschichte auch immer wieder verfeinert.

Berechnung verschiedener Szenarien

Das Gleiche gilt für die Klimamodelle der Klimawissenschaftler. Die füttern ihre immer wieder verfeinerten Modelle mit zusätzlichen Annahmen wie der Entwicklung der Weltbevölkerung und dem mehr oder weniger klimafreundlichen Verhalten dieser Menschen. Dann lassen sie ihre Computer das Ganze durchrechnen.

Dabei heraus kommen Entwicklungen, die mit grosser Wahrscheinlichkeit so zu erwarten sind.

Klimawandel im Modell
Die durchgezogenen Linien sind globale Multimodell-Mittel der Erwärmung an der Erdoberfläche (relativ zu 1980–99) für die Szenarien A2, A1B und B1, dargestellt als Verlängerungen der Simulationen für das 20. Jahrhundert. Die Schattierung kennzeichnet die Bandbreite von plus/minus einer Standardabweichung der einzelnen Modell-Jahresmittel. Die orange Linie stellt das Resultat des Experiments dar, bei dem die Konzentrationen auf Jahr-2000-Werten konstant gehalten wurden. Die grauen Balken auf der rechten Seite zeigen die beste Schätzung (durchgezogene Linie innerhalb des Balkens) und die abgeschätzte wahrscheinliche Bandbreite für die sechs SRES-Musterszenarien. (Quelle: Vierter Sachstandsbericht des IPCC, 2007, AG1: Wissenschaftliche Grundlagen)

Besonders bemerkenswert ist, dass selbst wenn die Einflüsse auf den Strahlungsaustausch auf den Werten des Jahres 2010 festgehalten würde (was längst eine völlig utopische Annahme ist – dazu müssten wir per sofort komplett aufhören, CO2 zu produzieren (blaue Kurve)), die Erwärmung nicht mehr rückgängig zu machen wäre (graue Kurve).

Und selbst unter den günstigsten Voraussetzungen (Szenario B1: Weltbevölkerung nimmt “nur” bis 2050 zu und unsere Entwicklung und Nutzung von Technik entwickelt stark in eine klimafreundliche Richtung) lässt sich die globale Erwärmung allenfalls verringern – aber nicht mehr verhindern.

Welche Folgen hat der Klimawandel?

  • Durch die veränderte Verteilung von Niederschlägen verändert sich in den betroffenen Gebieten die Süsswasser- und damit die Trinkwasserversorgung. Zunehmend feuchte Gebiete mögen mehr, zunehmend trockene Gebiete weniger Trinkwasser für ihre Einwohner zu bieten haben.
  • Die lebenden Bewohner der Erde sind bis zu einem gewissen Grad in der Lage, sich Veränderungen ihrer Umwelt oder Naturereignissen anzupassen: Sie sind gegenüber solchen Unwägbarkeiten widerstandsfähig. Durch die relativ schnellen Veränderungen im Klimasystems wird diese Widerstandsfähigkeit aber hart auf die Probe gestellt. Die Gefahr, dass einzelne Lebewesen oder ganze Ökosysteme diese Probe nicht bestehen und aussterben, nimmt zu.
  • Durch das veränderte Klima verändert sich auch die Menge der Feldfrüchte, die in den betroffenen Regionen geerntet werden kann. Besonders in armen Regionen der Welt werden die Ernteerträge sinken und die geernteten Nahrungsmittel teurer werden. Was sich auf den Schweizer Äckern und Gärten verändern kann, könnt ihr bis Ende Mai 2019 im “Klimagarten2085” in der Hochschule Rapperswil mitverfolgen: Hier werden eine Klimaerwärmung um +3°C bzw. um +6,5°C und veränderte Niederschlagsmengen in öffentlich zugänglichen Gewächshäusern mit verschiedenen Nutz- und Gartenpflanzen simuliert.
  • Besonders gravierend verändern sich Küstenregionen: Durch einen steigenden Meeresspiegel werden Küsten abgetragen, für Landpflanzen unverträgliches Salzwasser in Küstenlandschaften gedrückt oder Gebiete gänzlich überflutet. Und viele bedeutende Städte, die direkt an der Meeresküste liegen, wären davon betroffen!
  • Der Gesundheitszuständ der Menschheit wird beeinträchtigt: Unterernährung und Wetterextreme tragen dazu bei, dass sich Krankheiten leichter verbreiten können.
  • Die zuvor genannten Folgen fallen auch der Wirtschaft zur Last: Land- und Forstwirtschaft müssen sich mit veränderter Wasserversorgung und Ertragsveränderungen auseinandersetzen, der Tourismus mit der Veränderung von Landstrichen, insbesondere von Küsten, das Gesundheitswesen mit Unterernährung und Krankheiten, Energieversorger, Verkehrs- und Bauwesen mit Wetterextremen und vielen weiteren Veränderungen. Gemäss des “Stern Review” könnten künftig weltweit 5-20% der Wirtschaftsleistung für die Bewältigung von “Klimaschäden” aufgewendet werden – wenn nichts getan wird, um ihnen vorzubeugen. Und die Wissenschaftler sind sich einig: Vorbeugen käme da in jedem Fall günstiger.

Was können wir dagegen tun?

Die Klimaveränderungen einzig verhindern oder auch nur bremsen zu wollen, wird nicht mehr genügen. Wir werden uns den unaufhaltsamen Veränderungen unweigerlich anpassen müssen. Nur gut, dass der Mensch grundsätzlich ein äusserst anpassungsfähiges Wesen ist!

Und den Klimawandel sowohl bremsen als auch sich anpassen können wir alle, jeder einzelne von uns: Indem wir unseren oftmals leichtfertigen Verbrauch von Energie und Gütern verringern und sparsame, klimafreundliche technische Neuentwicklungen und sogenannte erneuerbare Energien nutzen.

Wenn wir das tun, wird die Wirtschaft sich schliesslich uns anpassen: Die Wirtschaft stellt nämlich das her, was wir “auf dem Markt” suchen und kaufen. Dabei zu beachten ist allerdings, dass viele raffinierte Werbemenschen uns einzureden versuchen was wir suchen, damit wir kaufen, was sie herstellen! Sich klimafreundlich verhalten kann also auch heissen, darauf zu achten, sich nichts unnötiges einreden zu lassen.

Und wenn ihr zufällig raffinierte Werbemenschen seid, dann redet den Leuten doch ein, dass die klimafreundliche Dinge brauchen – damit wäre dann allen geholfen.

Denn der Wirtschaft wird ja gerne nachgesagt, dass sie die Politik bestimmt. Und wenn die Wirtschaft klimafreundliche Dinge tut und produziert, weil wir die haben wollen, werden sich die Politiker spätestens dann auch danach richten.

Was könnt ihr konkret machen, um das Klima zu schützen?

Es gibt unzählige Mittel und Wege, wie wir klimaschonend leben und Energie sparend leben können. Und jede Familie bzw. jeder Haushalt mag seine ganz eigenen Baustellen haben, an welchen jeweils mehr oder weniger bewegt werden.

Einige Schweizer Kantone haben dazu eine spannende Infoseite voller Tipps für euch zusammengestellt. Auch die folgenden, hier sehr kurz gehaltenen Vorschläge findet ihr darunter wieder:

  • Mit klimaschonenden bzw. energieeffizienten Verkehrsmitteln und in Massen reisen
  • Mit klimaschonenden bzw. energieeffizienten Verkehrsmitteln zur Arbeit/Schule pendeln
  • In der näheren Umgebung hergestellte Lebensmittel verwenden
  • Moderne, energieeffiziente Elektrogeräte und Lampen verwenden
  • Unnötigen Stromverbrauch vermeiden (nicht gebrauchte Geräte abschalten!)
  • Und wenn ihr Hausbesitzer, Vermieter oder Bauherren seid: energieeffizient bauen und renovieren

Und wie steht ihr zum Klimaschutz? Was macht ihr bereits? Was könntet/werdet ihr noch tun?

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